Bent10

Fünf Tage im Leben des Benedict Mandelbaum

 

Roman

 

Engelsdorfer Verlag, Leipzig

ISBN 978-3-96145-721-2

 

 

Der 18jährige Sören und sein 10jähriger autistischer Bruder Benedict hüten gemeinsam das Elternhaus, während sich die Eltern für fünf Tage in Dänemark befinden, um dort ein Ferienhaus zu erwerben. Das Haushüten ist mit Problemen behaftet. Doch die Brüder, die bislang ein distanziertes Verhältnis pflegten, finden zusammen. Mehr noch: Sie ergänzen sich. Sie gewähren sich gegenseitig Einblick in ihre Gedankenwelten und profitieren von den unterschiedlichen Ressourcen des anderen.

 

In dem Roman steht nicht das Asperger-Syndrom des jüngeren Bruders im Vordergrund, sondern das gegenseitige Akzeptieren und Wertschätzen. So gelingt es den Brüdern, auch chaotisch und skurril anmutende Vorkommnisse zu meistern, beginnend mit einem ruinierten Teppichboden im elterlichen Wohnzimmer bis zum Verlust eines Blinddarms.

 

Ich stand auf und suchte im Regal die richtige Tasse für Bɘnt10.

»Die Blaue?«, wollte ich wissen.

»Nee, die ist für Milch«, ließ mich Bɘnt10 wissen.

»Ich dachte, die weiße Tasse mit dem Marienkäfer ist für Milch?«

»Ist sie ja auch, aber nur für kalte Milch!«

»Und welche Tasse ist für Kakao?«, fragte ich ungeduldig.

»Der gelbe Becher mit dem Mond drauf!« antwortete Bɘnt10, völlig befremdet ob meines Informationsdefizits. »Aber wenn du noch lange brauchst, wird es der rote Becher mit der kleinen gelben Raupe!«

»Wieso das denn?«, fragte ich.

»Weil der Kakao dann kalt ist und dann der rote Becher mit der gelben Raupe zuständig wird!«

»Welche Tasse ist denn für fast kalten Kakao?«, fragte ich Bɘnt10.

»Jetzt sei nicht albern und setz dich!«

»In meinen Bent-Romanen agiert der Protagonist Bent wie ich in dessen Alter. Sein Bruder Søren verkörpert den älteren Bruder,
den ich leider nie hatte«.

Rolf Piotrowski

Rezension

 

Bent10 - Fünf Tage im Leben des Benedict Mandelbaum


Während die Eltern im 'Dänenland' weilen, ist Sören zum ersten Mal mit seinem kleinen Bruder allein zuhause. Dass Bent10 nicht erst ein etwas anderer Bruder ist, seit er Bent10 ist, ist klar. Er war schon anders, als er noch Bent4 war, und bisher, findet Sören, hatten ihre Leben nicht sehr viele Berührungspunkte. Sören fasst einen Entschluss: "Wenn ich keinen Zutritt in die Welt meines Bruders bekommen kann, dann werde ich ihn in meine Welt einladen." Der Alltag zu zweit verläuft nicht ohne Zwischenfälle und stellt das Zusammenspiel auf eine harte Probe, die beide Seiten die Wahrnehmung des anderen zu schätzen lehrt.


Ohne zu stigmatisieren, zeichnet der Autor ein realistisches, positives Bild hochfunktional autistischer Wahrnehmung und sieht meist von den Schattenseiten ab. Unterschiedliche Welten treffen respektvoll und sanft aufeinander, berühren und lassen doch oft zustimmend schmunzeln. Ein ehrliches und zartes Buch über das Anderssein, Bruderliebe und gegenseitige Wertschätzung.

 

Andrea Eichenberger

KJM Kinder- und Jugendmedien

Bern-Freiburg, Schweiz

www.kjmbfr.ch

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© Rolf Piotrowski