Benedict Mandelbaum

 

Ich kam auf die Idee,  einen zehnjährigen Jungen namens Benedict Mandelbaum, genannt Bent zu »erfinden«. Er sollte die Hauptrolle in meinem ersten Bent-Roman spielen. Ich wählte die Form eines Romans, um interessierten Lesern einen Einblick in das Asperger-Syndrom zu ermöglichen, da ich der Meinung war, die Welt brauche nicht ein weiteres Buch über das Asperger-Syndrom.

 

Fokus meiner Bent-Romane ist demnach nicht das Asperger-Syndrom, sondern ein Junge, der vom Asperger-Syndrom betroffen ist.

 

Schon während des Schreibens des ersten Bandes entwickelte sich Bent zu einem Romanhelden, der ungewöhnlich denkt, entscheidet und handelt. 

Ab einem Punkt des Schreibens schrieb nicht ich, sondern Bent selbst. Ich saß nur am Laptop.

 

So kommt es in seinem Alltag - und dem seiner Mitmenschen - immer wieder zu unvorhergesehenen und durchaus überraschenden Ereignissen, die er aber auf seine ganz eigene Art zum meistern versteht.

 

Dies mit Unterstützung seines acht Jahre älteren Bruders Søren. 

Aber nicht immer wird deutlich, wer wen unterschützt. Manchmal springt Bent mit seinem glasklaren Verstand und seinem unerschütterlichen Pragmatismus seinem Bruder zur Seite. Im Gegenzug hilft Søren seinem kleinen Bruder, eingefahrene Strategien infrage zu stellen und neue Erfahrungen machen zu lassen.

 

So bildete sich ein ungleiches aber erfolgreiches brüderliches Team.

 

Wichtig ist, das die beiden Brüder zunehmend ihr distanziertes Verhältnis zueinander überwinden lernten.

 

Dabei lernen sie, ihr Anderssein zu akzeptieren und respektieren. Diese Entwicklung erweist sich für Bent und Søren gleichermaßen als wertvolle Bereicherung.

Bents Anderssein

 

Bent ist vom Asperger-Syndrom betroffen. Das Asperger-Syndrom ist eine mildere Form des Autismus. Deshalb wirkt er auf seine Mitmenschen oft sonderbar: Ein Außenseiter, ein Einzelkämpfer, ein Eigenbrötler und Querdenker, der seine Welt mit seinen eigenen Augen sieht und sich in ihr auf seine Art und mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln und Möglichkeiten zurechtfinden möchte.

 

Bent ist intelligent und kann gut logisch denken. Er hat aber Probleme, Kontakte herzustellen und aufrecht zu erhalten, sofern er überhaupt Interesse daran verspürt. Er hat auch Interessen, die er aber nicht immer mit anderen Menschen teilen mag. 

 

So lebt er meinst in seiner ganz eigenen Welt, in der er sich geborgen und sicher fühlt. In der Außenwelt ist es zu laut, zu hell und viel zu unordentlich für ihn. Nur in seinem eigenen »Ich« kommt er zeitweise zur Ruhe ist macht sich dort für seine Umwelt unerreichbar.

 

Er mag es nicht, wenn man ihn anfasst, und er benötigt einen größeren räumlichen Abstand zu einem Gegenüber. So wirkt er unnahbar und arrogant.

 

Aber das ist er nicht. 

 

Bent schätzt es, wenn alles seinen gewohnten Verlauf nimmt. Rituale geben im Sicherheit. Am liebsten wäre es ihm, wenn jeder Tag wie der andere verliefe. 

 

Wenn es jeden Tag um die gleiche Uhrzeit das Gleiche zu essen gäbe, er immer die gleichen Sachen anziehen könnte. Und er mag Dinge, die berechenbar sind.

 

Dinge, die sich zählen, wiegen oder messen lassen. Dinge, die für ihn wirklich logisch und wichtig sind. 

 

Das sind nicht immer die Dinge, die für seine Mitmenschen logisch sind. Und da Bent manchmal in seiner eigenen Sprache spricht, versteht man ihn auch nicht immer. So kommt es zu Missverständnissen.

 

Bent hat große Schwierigkeiten, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Er sieht beispielsweise, dass es seinem Gegenüber nicht gut geht, weiß aber oft nicht, was er tun soll oder was der andere von ihm erwartet. Da helfen ihm »klare Ansagen« weiter.

 

Auch mit Sprichwörtern und Redewendungen kann Bent nicht viel anfangen. Er verteht nicht deren Sinn. So kann er sich keinen Reim darauf machen, dass sich Menschen »Hals über Kopf« verlieben oder was »zum Kuckuck« ein »heiliger Bimbam« sein soll. 

 

Deshalb wirkt er auf andere Menschen oft humorlos und manchmal sogar langweilig, was aber beides nicht ist. 

Bent ist nur ein bisschen anders. Und manchmal auch ein bisschen »viel anders ...«

Wie sein Erfinder.

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© Rolf Piotrowski