Die Erfindung des Benedict Mandelbaum

Vor zwei Jahren »erfand« ich einen zehnjährigen Jungen namens Benedict Mandelbaum, genannt Bent. Er sollte die Hauptrolle in meinem ersten Bent-Roman spielen. Ich wählte ganz gezielt die Form eines Romans, um interessierten Lesern einen Einblick in das Asperger-Syndrom zu ermöglichen, da ich der Meinung war, die Welt brauche nicht ein weiteres Buch über das Asperger-Syndrom. Fokus meiner Bent-Romane ist demnach nicht das Asperger-Syndrom, sondern ein Junge mit Asperger-Syndrom. 

 

Schon während des Schreibens des ersten Bandes entwickelte sich Bent zu einem Romanhelden, der ungewöhnlich denkt, entscheidet und handelt. So kommt es in seinem Alltag - und dem seiner Mitmenschen - immer wieder zu unvorhergesehenen und durchaus überraschenden Ereignissen, die er aber auf seine ganz eigene Art zu meistern versteht. Dies mit Unterstützung seines sieben Jahre älteren Bruders Søren. Aber nicht immer wird deutlich, wer wen unterstützt. Aber genau diese Eigenschaften machen Bent zu Bent. Zumeist brilliert Bent mit unerschütterlicher Logik, auf die Sören nicht nur einmal zurückgreift. So bildete sich ein ungleiches aber erfolgreiches brüderliches Team. Wichtig ist, dass die beiden Brüder zunehmend ihr zunächst distanziertes Verhältnis zueinander überwinden und lernen, ihr Anderssein zu akzeptieren und respektieren. Diese Entwicklung erweist sich für Bent und Søren gleichermaßen als wertvolle Bereicherung.

 

Ich wollte einen vom Asperger-Syndrom betroffenen Jungen darstellen, ohne, wie es bedauerlicherweise oft medienwirksam und überzogen geschieht, das Bild eines Freaks oder Nerds zu zeichnen. So ist Bent keine willkürliche Addition von Symptomen. Er ist wie er ist. Und wie er ist, ist er in Ordnung.

Lars Hons Lars Hons

Was jemand für sich selbst ist, was ihn in die Einsamkeit begleitet und was niemand ihm geben oder nehmen kann, ist offenbar für ihn wesentlicher als alles, was er besitzen kann, oder auch, was er in den Augen anderer sein mag.

 

Arthur Schopenhauer

Ich bin selbst vom Asperger-Syndrom betroffen. Diese Tatsache ermöglicht es mir beim Schreiben, zwischen Bent und Søren hin- und her zu schalten. Als Bent agiere ich als ich selbst. Als Søren übernehme ich die Rolle eines älteren Bruders, wie ich ihn mir gewünscht habe und der so mit mir umgegangen wäre, wie Søren es mit Bent praktiziert. 

 

Ich übertrage viel autobiografisches Erleben in meinen Protagonisten namens Bent. Insofern ist das Verfassen der Bent-Romane für mich eine oft emotionale Gratwanderung. Die damit verbundene Konfrontation mit meinen Erinnerungen ist nicht immer angenehm, aber stets aufschlussreich.

 

Bisher sind erschienen:

 

Bent10

Eine kleine Reise in den Asperger-Autismus

 

Bent11

Benedict Mandelbaum im Dänenland

 

 

Bents Anderssein

Bent hat das Asperger-Syndrom. Das Asperger-Syndrom ist eine leichtere Form von Autismus. Deshalb wirkt er auf seine Mitmenschen oft sonderbar: ein Außenseiter, ein Einzelkämpfer, ein Eigenbrötler, der die Welt mit seinen eigenen Augen sieht und sich in ihr auf seine Art zurechtfinden möchte.

 

Er ist intelligent und kann gut logisch denken. Er hat aber Probleme, Kontakte herzustellen und aufrecht zu erhalten. Natürlich hat er auch Hobbies und Interessen, aber die teilt er nicht gerne mit anderen. So lebt er meistens in seiner eigenen Welt, in der er sich wirklich geborgen und zu Hause fühlt, denn in der Außenwelt ist es zu laut, zu hell und viel zu unordentlich für ihn. Bent erlebt seine Umwelt häufig als störend. Nur in seinem »Ich« kommt er zeitweise zur Ruhe und dort ist er für andere Menschen kaum erreichbar.

 

Er mag es nicht, wenn man ihn anfasst, und er braucht einen größeren räumlichen Abstand zu seinem Gegenüber. So wirkt er unnahbar und arrogant. Aber das ist er nicht.

 

Bent mag es, wenn alles seinen gewohnten Verlauf nimmt. Rituale geben ihm Sicherheit. Am liebsten wäre es ihm, wenn jeder Tag wie der andere verliefe, es jeden Tag um die gleiche Uhrzeit das Gleiche zu essen gäbe, er immer die gleichen Sachen anziehen könnte. Und er mag Dinge, die berechenbar sind: Dinge, die sich zählen, wiegen oder messen lassen. Dinge, die für ihn logisch sind. Und das sind nicht immer die Dinge, die für andere Menschen logisch sind. Und da Bent manchmal in seiner eigenen Sprache spricht, versteht man ihn auch nicht immer. So kommt es oft zu Missverständnissen.

 

Bent hat große Schwierigkeiten, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Er sieht beispielsweise, dass es seinem Gegenüber nicht gut geht, weiß aber oft nicht, was er tun soll oder was der andere von ihm erwartet. Da helfen »klare Ansagen« weiter.

Auch mit Sprichwörtern und Redewendungen kann Bent nicht viel anfangen. Er versteht nicht deren Sinn. So kann sich keinen Reim darauf machen, dass sich Menschen »Hals über Kopf« verlieben oder was »zum Kuckuck« ein »heiliger Bimbam« sein soll. Deshalb wirkt er auf andere Menschen humorlos und manchmal sogar langweilig, was er aber beides nicht ist. Keinesfalls. Bent ist nur ein bisschen anders.

 

Und manchmal auch ein bisschen »sehr anders …«

 

Wie sein Erfinder.

Galerie »BASEL 2017« zugefügt in Fotografien

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Die Erfindung des Benedict Mandelbaum

Mein aktueller Roman:

Es handelt sich hierbei um den Nachfolger von "Bent10" und beschreibt das Leben des 11jährigen Benedict und seines 19jährigen Bruders Søren ein Jahr nach "Bent10".

 

Kirja-Verlag, CH

ISBN 978-3-9524056-6-6

Alternativ bei:  www.buchhandel.de

Rolf Piotrowski

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