Ich bin nicht Forrest Gump, weißt Du?
| Der Antagonist des Spielfilms "Adam", der "Asperger" Adam (Hugh Dancy), nimmt mit dieser Richtigstellung ein Geschenk von seiner mutmaßlich zukünftigen Lebens-gefährtin Beth (Rose Byrne) entgegen: Eine Schachtel Pralinen. In diesem Film wird das Asperger-Syndrom nicht pathologisiert. Vielmehr wird "Adam" als liebenswerte Persönlichkeit dargestellt. Für mich ein "Trotzdem-Film" oder ein "Gerade-deshalb-Film". (c) 2009 "Adam" Twentieth Century-Fox Film |

Szenenfoto: Beth und Adam
(c) 2009 Twentieth Century-Fox Film![]()
Ich habe diese Seite eingerichtet, um Nichtbetroffenen Informationen über diese "Störung innerhalb des Autismusspektrums" zu geben. Es war mir zunächst wichtig, die Differenz zwischen dem "Asperger-Syndrom" und dem "Autismus" aufzuzeigen, ohne psychopathologische Abhandlungen heranzuziehen:
Das Asperger-Syndrom
Das Asperger-Syndrom zeichnet sich - wie jede Form von Autismus - durch Probleme bei der Verarbeitung von Reizen, eine sensorische Überempfindlichkeit und Schwierigkeiten auf dem Gebiet der sozialen Beziehungen aus. Das Besondere am Asperger-Syndrom ist, dass es nicht sichtbar ist. Asperger wirken wie "normale" Menschen. Man sieht ihnen nicht an, dass sie autistisch sind. Da sie über ein gutes Sprachverständnis und eine normale, oft sogar überdurchschnittliche Intelligenz verfügen, sind ihre Schwierigkeiten im sozialen Bereich auf den ersten Blick kaum erkennbar.
Gerade Asperger mit hohen intellektuellen Fähigkeiten haben oft gelernt, ihre Schwierigkeiten so zu kompensieren, dass der Autismus selbst für Fachleute kaum zu erkennen ist. Viele haben sich zu ausgezeichneten Schauspielern entwickelt, die ihr "Anderssein" sehr gut verstecken können. Dennoch sind Menschen mit dem Asperger-Syndrom autistisch. Viele leiden an ihrem Anderssein. Sie sehnen sich danach, sich selbst zu sein, fühlen sich aber gezwungen, eine Rolle zu spielen.
Den Asperger-Autisten gibt es nicht. Autisten unterscheiden sich genauso voneinander wie Nichtautisten. Es gibt sehr schweigsame Asperger, die jedem Kontakt aus dem Weg gehen. Es gibt sehr wortgewandte Asperger, die recht mitteilungsfreudig sind und schnell Kontakte knüpfen können. Es gibt Asperger mit hohen Begabungen, z.B. im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich. Wieder andere haben Lernschwierigkeiten. Die typischen Merkmale des Autismus sind bei erwachsenen Aspergern von aussen oft kaum oder gar nicht mehr erkennbar.
Die Diagnose gibt es erst seit 1996. Bei den meisten Erwachsenen mit Asperger-Syndrom ist der Autismus in der Kindheit unentdeckt geblieben - damals gab es die Diagnose einfach noch nicht. Oft entstehen aus einem unerkannten Autismus psychische Folgekrankheiten, die den Ursprung des Leidens noch mehr verdecken. Die meisten Asperger haben einen langen Leidensweg hinter sich, bis sie zur Diagnose gelangt sind und sich selbst finden konnten.
Autismus
Die Vorstellungen darüber, was Autismus ist, sind sehr begrenzt. Das liegt daran, wie autistische Menschen von den Medien dargestellt werden. So wird sehr klischeehaft eine bestimmte Ausprägung des Autismus verabsolutiert, nämlich das Kanner-Syndrom (frühkindlicher Autismus). Die meisten haben deshalb Bilder von autistischen Kindern vor Augen, die völlig in sich selbst versunken scheinen, rhythmisch den eigenen Körper wiegen oder schreien. Oft wird Autismus auch fälschlicherweise mit geistiger Behinderung gleichgesetzt.
Autismus ist ein Phänomen mit unterschiedlichen Ausprägungsformen und -graden. Den Autisten gibt es nicht. Das Erscheinungsbild des Autismus ist von Fall zu Fall wieder anders. Menschen mit leichtem Autismus haben Schwierigkeiten in sozialen Beziehungen, sind von normaler, in der Regel sogar sehr hoher Intelligenz und verfügen über eine überdurchschnittlich entwickelte Sprachfähigkeit. In extremen Fällen sind autistische Menschen stumm und tief in sich gekehrt. Allen Autisten gemeinsam sind jedoch die Schwierigkeiten im sozialen Bereich, die zu einem mehr oder weniger starken Rückzug führen.
Von der Weltgesundheitsorganisation wird Autismus als tiefgreifende Entwicklungsstörung klassifiziert. Aus medizinischer Sicht ist Autismus primär eine angeborene, unterschiedliche Wahrnehmungsverarbeitung, die dem Betroffenen massive Probleme bei der Verarbeitung von Umweltreizen bereitet. Durch eine Beeinträchtigung der Filterfunktionen ist der Autist einem Chaos verschiedener Sinneseindrücke ausgeliefert, was sekundär zu einer Störung im sozialen Bereich, zu einem Rückzug und zu unverständlichen Verhaltensweisen führt.
Ich danke dem Unternehmen Asperger-Informatik in Zürich, Schweiz, für die Genehmigung zur Verwendung dieses Textes.
Über eine Mitwirkung von Betroffenen und Nichtbetroffenen an dieser Rubrik freue ich mich. Ihre Vorschläge und Anregungen nehme ich gerne entgegen.
Das Asperger-Syndrom (PDF) Eine Abhandlung über das Asperger-Syndrom für Nichtbetroffene
Ich danke Dominik Holenstein für seine Unterstützung und Dr.med. Thomas Girsberger, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, für seine konstruktive Mitwirkung an diesem Text.
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