Bibliotherapie
Von Epiktet, einem griechischen Philosophen, stammt die These: "Nicht die Dinge an sich beunruhigen die Menschen, sonderen deren Meinungen und Bewertungen über die Dinge." Erweitert kann man sagen: Es sind nicht die Begebenheiten und Erfahrungen aus der Vergangenheit, die uns heute möglicherweise Probleme bereiten, sondern das Festhalten daran.
Ich möchte Sie ermuntern, Ihre Erlebnisse und Erinnerungen aufzuschreiben. Sei es, um sich angenehme Dinge in Erinnerung zu rufen oder belastende Gedanken "von der Seele" zu schreiben. Wer eine Begebenheit oder eine Situation retrospektiv zu Papier bringt, schaut sich selbst beim Nachdenken und Schreiben über die Schulter.![]()
Diese Exkursionen zu den eigenen biografischen Erinnerungen sind immer reflektierend. Während des Niederschreibens werden Gedanken wach, die manche Geschehnisse aus der Vergangenheit aus dem Blickwinkel der aktuellen Lebenssituation völlig verändert erscheinen lassen. Versäumtes kann nachgeholt werden, Ungeklärtes kann geklärt werden und selbst Erinnerungslücken lassen sich schließen. Wir können aufdecken, klären, aufschlüsseln und bereinigen.
Während des Schreibens sind wir auch in der Lage, in manche Erinnerungsabläufe korrigierend einzugreifen und dem Nacherleben eine für uns günstigere Wendung zu geben. Es ist uns möglich, einem Feind zu vergeben oder um Verzeihung zu bitten, wenn wir es heute für sinnvoll und angemessen halten, oder einem guten Freund, den wir aus den Augen verloren haben, nachträglich zu danken. Selbst mit Menschen, zu denen wir keinen Zugang mehr haben oder die sich uns entzogen haben, können wir uns klärend auseinandersetzen. Ebenso ist es möglich, einige Zeilen an uns selbst zu richten, um uns Zuversicht, Trost oder Anerkennung auszusprechen.![]()
Auch die Geschichten anderer Menschen, die uns nachdenklich oder betroffen machen, können durch eine schriftliche Nacherzählung einer anderen Sichtweise zugeführt werden.
Mit meinem Buch "Largo" lege ich einige meiner eigenen Geschichten vor.![]()